Leben mit Corona

Geschrieben von Lea

What the Fuck – einfach erklärt
Im vorherigen Beitrag habe ich euch von meiner ersten Woche in Hamburg erzählt und wie ich zu einem positiven PCR-Ergebnis kam. Zu sagen, dass mich der positive Bescheid geschockt hat, ist eine masslose Untertreibung. Fest hatte ich mit einem negativen Bescheid gerechnet und bereits einen feinen Lunch in der Stadt geplant.

Aber nichts da.

Der Tag mit dem Schock
Fabienne war genauso geschockt wie ich – wenn nicht sogar mehr. Sie wusste, dass auch sie sich mit dem Coronavirus angesteckt haben musste und jetzt sofort einen Test machen muss. 

Ich telefonierte mit meiner Mama (schon wieder). Informierte alle meine neuen Freunde in Hamburg. Denn egal wo ich mich mit dem Virus angesteckt hatte, sie hatten es bestimmt auch. Ich informierte meine Vermieterin. Und meine Mitbewohnerinnen (die ich zum Glück noch nicht in Natura getroffen hatte und noch in den Ferien waren). Und das Gesundheitsamt Altona. Sie würden mich bei Gelegenheit diesbezüglich anrufen, hiess es.

Denn obwohl meine Testnummer in der Liste klar den roten Vermerk “positiv” trug, vom Gesundheitsamt in Altona hat mich noch niemand angerufen. Obwohl sie genau das hätten tun müssen. 

Fabienne notierte voller Panik meine Einkaufswünsche. Im Nachhinein betrachtet wohl nicht die schlauste aller Ideen, aber wir waren SEHR panisch. Und hysterisch. Wer sonst würde mich mit Essen versorgen können? Eine dreiviertelstunde später stand sie mit vollen Einkaufstüten vor der Türe. Kurz darauf zog Fabienne los. Es gab keinen rührseligen Abschied, uns war nicht bewusst, dass wir uns zehn Tage nicht mehr sehen würden. 

Die Reaktionen
Unsere neuen Freunden reagierten Verständnisvoll. Informierten das Gesundheitsamt und liessen sich testen. Meine Vermieterin war auch Verständnisvoll, doch sehr aufgebracht. Sie war am Donnerstag noch bei mir in der Wohnung wegen der Zimmerübergabe meines alten Mitbewohners und machte sich nun Sorgen. Wollte von mir wissen, ob sie nun wie geplant zu ihren Eltern fahren könne oder nicht. In meinem Innersten hat mich diese Frage sehr geärgert – woher soll ICH wissen, wie sich andere Verhalten sollen? Denn der Anruf vom Gesundheitsamt war noch ausstehend. Meine Mitbewohnerinnen nahmen die ganze Thematik sehr gelassen, sie würden einfach nach meiner Quarantäne nach Hamburg kommen. Ich informierte meine Hochschule, die HAW. Die Zuständige Person war sehr nett und unterstützend. Erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden, und ob ich genug Essen hätte.

Mit dreissig (!) gewählten Nummern mehr auf meiner Telefonliste, schlief ich müde und erschöpft ein. Ich fühlte mich unfit, doch hatte keine Coronatypischen Symptome wie Halsschmerzen oder Husten.

Das Problem
Freitagmorgen. Die nette Dame von der HAW rief mich an. Informierte mich, dass das für mich zuständige Departement DMI der Hochschule “verärgert” sei. (Sehr angepisst wäre eine zutreffendere Beschreibung). Sie waren verärgert, weil ich am Dienstag in “Safety Presence” an dem obligatorischen Infoanlass war. Der 15 Minuten gedauert hat. Wo ich mich noch fit gefühlt hatte. Aber das hat niemanden interessiert. Sie waren verärgert. Denn wegen “mir” müssen ja nun alle in Quarantäne.

Am Freitagabend kamen schlimme Kopfschmerzen zu meinen Erschöpfungssymtomen. Diese wurde ich bis am Montag nicht mehr los.

Über das Wochenende verlor ich meinen Appetit. Es machte mir kein Spass, alleine jeden Tag dasselbe zu essen. Ich hatte sehr schlechte Laune und fühlte mich trotz diversen Skypesessions einsam.

Als am Montag meine Kopfschmerzen und die Erschöpfung endlich nachliess, zerrte das Departement DMI der HAW an meinen Nerven – so wurde Fabiennes und mein Namen in E-Mails und Dokumenten mit in Quarantine until…? erwähnt und in einem Onlinemeeting wurden wir vor versammelter Austauschgruppe gefragt, ob wir wieder gesund seien und wie es uns gehen würde. Wohl mit 50% netten Absichten, mit 50% heuchlerischen Ton. Ich fühlte mich in meiner Privatsphäre verletzt und beleidigt. 

Vielleicht mag das jetzt etwas schwierig nachvollziehbar sein, aber als erste am Coronaviruserkrankte Person einer ganzen Gruppe hingestellt zu werden, tut weh. Weil nämlich genau diese Gruppe “wegen mir” in Quarantäne musste. Meine Erleichterung war gross, als ich auch vom Gesundheitsamt für Gesund erklärt wurde und die Quarantäne verlassen durfte.
yey. oderso.