Von PCR-Tests und Corona

Geschrieben von Lea

Sieben Tage Normalität

Fabienne und ich sind am Montag, den 21. September, in Hamburg angekommen.
Da der Kanton Freiburg dazumals bereits auf der Risikoliste von Deutschland war, musste Fabienne ein negatives PCR-Testergebnis vorweisen. Einmal ein Probestäbchen in die Nase und los ging der Spass! Die Coronasituation in meinem Heimatkanton Zürich war damals um einiges besser als in Freiburg, so blieb mir der PCR-Test erspart.

Am Mittwoch haben wir an unserem ersten Exchange-Meeting der HAW teilgenommen und kamen in Kontakt mit anderen Austauschstudierenden. In einer kleinen Gruppe von fünf Leuten zogen wir weiter und sassen an einem lauen Spätsommerabend im Park. So haben wir erste Bekanntschaften gemacht und Leute kennengelernt – Yey! 🙂 Wir verabredeten uns für Freitagabend zum Abendessen und feuchtfröhlichen Barbesuch.

Der Freitag kam und wir sassen als Gruppe draussen im Hintergarten von Jills Pizzeria (eine fast so grosse Liebe wie Dulf’s).

Nach einigen erfrischenden Hugos, einer geteilten Vorspeise und einer super leckeren Pizza zogen wir weiter. Es ging für uns in die coronaberüchtigte Bar “Katze” am Schulterblatt. Coronaberüchtigt, da bereits eine Woche zuvor ein Mitarbeiter der Katze an Corona erkrankt war und die Bar deshalb schliessen musste. Statistisch gesehen, sei eine erneute Ansteckung in der “Katze” unwahrscheinlich, so dachten wir und betraten die Bar. Als Gruppe von sieben Leuten bekamen wir ein gemütliches Eck mit einem Sofa und mehreren Sessel zugeteilt und genossen unseren Abend mit neuen Bekanntschaften und diversen Drinks.

Unser erstes Wochenende in Hamburg zog vorbei und der Montag begann. Am Abend waren wir wieder mit unseren neuen Freunden verabredet  – diesmal zum Pasta Kochabend bei ihnen im Wohnheim. Am Abend fühlte ich mich zum ersten mal etwas müde und hatte Kopfschmerzen. Ob dies ein Anzeichen für Corona war, konnte ich nicht beurteilen: Jeder hat ja mal Kopfschmerzen, oder?

Am Dienstagmittag fühlte ich mich wieder etwas müde und hatte erneut leichte Kopfschmerzen. Um 13 Uhr stand ein Termin der HAW vor Ort in “Safety Presence” (ein Wort, dass ich zu hassen lehrte) an, an welchem ich teilnehmen musste. Dabei handelte es sich um eine 15 minütige Info über das Semester. An dieser Stelle: “DANKE FÜR NÜT” (hätte man ja nicht online machen können, oder?) An diesem Tag kam mir zum ersten Mal der Gedanke an Corona. Ich legte mich schlafen. Und erwachte gegen 17 Uhr mit einem sehr komischen Bauchgefühl. Weshalb nicht einfach einen Test machen? Wenn es wirklich nur Erschöpfungssymptome waren, verliere ich dabei ja gar nichts. So mein Gedankengang.

“Die von Ihnen gewählte Nummer ist nicht verfügbar.”
Ich rief die Coronahotline von Hamburg an. “Die von Ihnen gewählte Nummer ist nicht verfügbar.” Hä? Schliesslich landete ich bei dem Gesundheitsamt Altona, doch da wurde mir versichert, dass die Nummer korrekt ist. Als ich manuell auf meinem iPhone die Netzauswahl von o2 auf Vodafone wechselte, kam ich plötzlich durch! Und… landete für 50 Minuten in der Warteschleife. 

Zum Glück wurde ich am Telefon sehr freundlich beraten. In ein Testcenter gehen dürfe ich nun nicht, da ich mich bereits unfit fühle. Es würde eine Ärztin zu mir nach Hause kommen. Heute noch. Ich solle unbedingt zu Hause bleiben. Gesagt, getan. Ich wartete auf den Anruf der Ärztin. Um 20:00 Uhr war es so weit, das Telefon klingelte und sie kündigte ihre Ankunft an. 

Ich solle eine Plastiktüte für das Schutzmaterial der Ärztin bereithalten, müsse im Türrahmen stehen bleiben und den Abstand einhalten. Okay!

Die Türklingel erklang. Eine in gelbe Schutzkleidung eingepackte Frau stapfte die Treppen zu mir hoch. Erklärt hat sie mir nicht viel, nur, dass es sich um einen Rachenabstrich handeln würde. “Mund auf!”. Ein Probestäbchen wurde mir in den Rachen gesteckt. Nach ein paar Sekunden war der Spuk vorbei. Ich musste die Tür schliessen, warten bis die Ärztin ihre Schutzkleidung in die bereit gelegte Plastiktüte gepackt hat und diese dann entsorgen. “Das Testergebnis kommt in spätestens 48 Stunden!”. Jetzt war Warten angesagt.

And I will wait, I will wait for you!
Beim Schreiben setzte sich gerade ein Ohrwurm in meinem Hirn fest: I will wait – Mumford and Sons. YUHE!

Leider war an dem Warten für das Testergebnis gar nichts spassiges dabei. Am Dienstagabend hätte ich eine Crossfit Probelektion gehabt und am Mittwoch ein Probereiten. Beides musste ich absagen. Dezent frustriert blieb ich zuhause. Über meinen Coronatest habe ich nur Fabienne informiert, da ich ein positives Ergebnis für sehr unwahrscheinlich hielt und niemanden beunruhigen wollte. Fabienne selbst entschloss sich dafür, auf mein Ergebnis zu warten und sich anschliessend testen zu lassen, sofern dieses positiv ausfallen würde. (Da wir beide sehr viel Zeit miteinander verbracht hatten, war klar, dass wir beide die selbe Diagnose haben würden).

Fazit
Ich fühle mich etwas schlapp, aber keineswegs krank. Am Donnerstagmorgen hatte ich immernoch keinen Coronabescheid. Fabienne kam auf eine Stippvisite vorbei. (Unbedenklich, da wir beide sowieso entweder positiv oder negativ waren.) Ich aktualisierte die Coronaliste zum zigsten Mal im Internet. Gab meine Testnummer ein. Sah das Ergebnis in rot. POSITIV.